Leadership jenseits von einsamer Spitze

03-01-17 | by Jeanette Müller | in politik, leadership,
Leadership is not about position, fundamentally. I think there is a big confusion in the way we use the word. [Peter Senge]

Als ich kurz nach dem Tod des thailändischen Königs wieder am Suvarnabhumi Flughafen (Suvarnabhumi bedeutet „Das Goldene Land“) in Bangkok gelandet bin, habe ich schon damit gerechnet, dass nichts so sein wird wie sonst. Ich habe diesen riesigen, internationalen Hub noch nie so leer und ruhig erlebt. Die Farbe Schwarz herrscht bei den Bekleidungen vor, Uniformen mit andern Farben werden mit einer Trauerbinde oder einer schwarzen Anstecknadel komplettiert, sämtliche Screens, selbst die der Bankomaten, sind auf schwarz-weiß gestellt. Dort wo sonst nervige, bunt schrille Dauerwerbung läuft sieht man König Bhumipol Adulyadej in Grauschattierungen.

Der König ist gestorben - es herrscht sichtbare Trauer in dem Land der Freien (Thai = Frei). Der offizielle Trauermonat wird in ein Trauerjahr münden. Sämtliche meiner Freundinnen und Freunde und KollegInnen hier – egal ob sie Intellektuelle, Geschäftsleute, KellnerInnen oder KünstlerInnen sind – sagen mir, sie empfinden den Tod des Königs als Verlust, der sich anfühlt, „als wäre der eigene Vater gestorben“.

Die Sehnsucht nach „guten Vätern“ an der Spitze einer Regierung, eines Landes oder einer Organisation ist nicht nur in Südostasien beheimatet. So zeigte die Political Leadership Studie, bei der Bettina Pepek und ich im Rahmen der Sektion Political Leadership der Gesellschaft für österreichische Politikwissenschaft mitgewirkt haben, dass Bruno Kreisky noch immer als Bezugspunkt für positives political leadership gilt. Die meisten von uns haben noch sehr traditionelle Vorstellungen von Führung. Frei nach dem Motto und der Prägung: „Der Papa wird’s schon richten, der Papa macht’s schon gut.“?

System Leaders stellen den Dialog in den Mittelpunkt

Viele glauben immer noch, dass Leadership und „ein charismatischer Mensch an der Spitze“ (viele von uns denken dabei auch immer noch schneller mal an einen Mann als an eine Frau) untrennbar miteinander verbunden sind. Wird ja in der Konstellation auch oft als einziger Weg vermittelt. Aber da gibt es inzwischen doch andere Möglichkeiten, oder? ...  „progressive Leadership“, „Servant Leadership“, „Collective Leadership“... und die „System Leaders“: Das sind Individuen, die kollektive Führung ermöglichen – durch ihre Kompetenz, auf ein wichtiges Ziel hin gemeinsam und flexibel zu führen. Und zwar je nach Verantwortungsbereich, Expertise und Erfordernissen. Dabei spielt die Überzeugung, dass Dialog das wichtigste Mittel zur Veränderung ist und, dass Differenz und Vielfalt eine Voraussetzung für Innovation und positiven Fortschritt ist, eine überaus große Rolle.
Im kommunikationsraum arbeiten wir deshalb an der Gestaltung von Kommunikation und für strukturelle Veränderungen, die kollektives Leadership begünstigen.

In Thailand ist eine Ära zu Ende gegangen. Wie es weitergehen wird, ist noch ungewiss.
Wie wir unsere Vorstellungen und Handlungsspielräume bezüglich Führung gestalten und umgestalten liegt an uns allen. Weiterentwickeln in eine Sehnsucht nach gemeinsamen Aushandlungsprozessen, nach kreativen gemeinsamen Lernprozessen – vereint hinter einem gemeinsamen, sinnvollen Ziel, das ständig angepasst und  in vielen Schritten konkretisiert werden muss - offen für Neuerungen, im Dialog, mit Resilienz und sensibel für die Bedürfnisse von Menschen.

Weiterführende Links (Auswahl):

The Dawn of System Leadership (Peter Senge, Hal Hamilton, John Kania)

© Foto: Sakarin Krue-On