Alte Meister.
„Ja, ja, sagte er, die logische Folge wäre immer die totale Verzweiflung über alles. Aber gegen diese totale Verzweiflung über alles wehre ich mich. (…) In dieser Welt und in dieser Zeit, sagte er, in der doch alles möglich ist, ist bald gar nichts mehr möglich.“
(Thomas Bernhard, Alte Meister)
Alles ist möglich. Und sich wehren gegen das was uns unmöglich gemacht wird.
Kommunikation ist ja immer auch nicht-sprachlich.
Und doch ist es die Sprache, die Wirklichkeit schafft. Auch die eigene. Sich einen Sprachschatz anzulegen, die eigene Sprachnote zu entwickeln, den sprichwörtlichen Ton finden, der die Musik macht. Sich – frei nach Ernst Jandl – die eigene Sprachburg zu bauen.
Dem Meister der (österreichischen) Sprache, Thomas Bernhard, ist aktuell eine unglaublich gelungene Ausstellung im Wiener Literaturmuseum gewidmet. Weit weg von einer Kunstnaturkatstrophe, ist „Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“ eine intelligente und zeitgemäße Verneigung vor dem Autor.
Die Ausstellung erlaubt Einblicke in einen außergewöhnlichen Nachlass, baut ein Städtebeschimpfungsquiz ein (sic!) und ermöglicht es mir mit Thomas Bernhard zu chatten: mit Hilfe des Thomas Bernhard-Chatbots! Programmiert und trainiert im bernhardesken Sprachstil ist das ein gelungenes Beispiel für den klugen komplementären (!) Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Für alle, die sich nach einem analogen Wort-Setzkasten sehnen gibt’s eine Textwand, die einlädt auf Basis von Berhards Grundwortschatz die eigene Komposita zu entwickeln. Die Autorin dieser Zeilen vereinbart bis auf Weiteres genau dort ihre Termine …
Sprache als Teil der eigenen (menschlichen) Identität, unterstützt von intelligenter kommunikativ-technischer Infrastruktur.
Mitten in Wien. Noch bis Februar 2027.
Bettina Pepek für kommunikationsraum GmbH | August 2026